Der Spiegel und wer ihn poliert
Der klassische Ausgangspunkt ist ein elegantes Bild: Märkte als Spiegel, der den fundamentalen Wert von Unternehmen und wirtschaftliche Realitäten reflektiert. Dieses Bild setzt voraus, dass genügend Marktteilnehmer aktiv nach Informationen suchen, diese interpretieren und durch ihr Handeln in Preise übersetzen. Die Effizienzmarkthypothese in ihrer moderaten Form behauptet nicht, dass alle Teilnehmer rational sind — sie behauptet, dass der Wettbewerb zwischen informierten Akteuren dafür sorgt, dass Fehlbewertungen schnell korrigiert werden. Unser Team beginnt jede Betrachtung von Markteffizienz mit dieser Grundstruktur, weil sie offenlegt, was passiert, wenn sich die Zusammensetzung der Marktteilnehmer verändert. Wenn passive Vehikel einen wachsenden Anteil des verwalteten Kapitals ausmachen, schrumpft die Gruppe der aktiven Informationsverarbeiter relativ zur Größe des Marktes. Der Spiegel bleibt — aber die Zahl derer, die ihn polieren, wird kleiner. Und ein selten geputzter Spiegel zeigt nicht weniger — er zeigt unschärfer. Das ist keine Metapher für eine Katastrophe, sondern für eine strukturelle Verschiebung, deren Ausmaß von der Geschwindigkeit des Wandels und der Resilienz verbleibender aktiver Teilnehmer abhängt.